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KONZERT-VORSCHAU 2012

Mai 2012
Münchener Gitarren-Ensemble gastiert in Havanna

Münchner Gitarren-Ensemble   Münchner Gitarren-Ensemble   Jonathan Goldberg


Was für Los Angeles der Grammy, für  Italien das San-Remo-Festival  oder für Deutschland die Echo-Preisverleihung ist für Lateinamerika "Cuba Disco".

"Cuba Disco" ist das kubanische Musikereignis. Die Veranstaltung verwandelt ganz Havanna für fast eine Woche in ein einziges musikalisches Fest und in einen ebenso hochkarätigen wie facettenreichen Konzertsaal. Dieses Jahr steht die Veranstaltung ganz im Zeichen der  Gitarrenmusik -auch der kubanischen Größen wie Compay Segundo- unter dem Motto "The City of 1000 Strings". Damit verneigen sich die Veranstalter vor Leo Brouwer, einem der größten noch lebenden zeitgenössischen kubanischen Gitarristen und Komponisten. Zu dessen Ehren wurden Vertreter der Gitarre aus aller Welt nach Havanna eingeladen, darunter auch Walter Abt mit seinem Ensemble Munich Guitars. MP3: "The City of 1000 Strings"

Walter Abt, Münchner Gitarrist, Komponist und Leiter des Ensembles hat mit Munich Guitars eine Plattform geschaffen auf der seine ambitionierten Gitarrenschüler ihr Können vor größerem Publikum präsentieren. "Die Einladung nach Havanna ist für uns nicht nur eine große Ehre sondern auch ein echtes Highlight", meint er, "was uns außerordentlich freut ist, dass für uns gleich noch eine Tournee organisiert wurde die uns nach Santiago de Cuba und Havanna führt." "…und welcher Musiker kann schon behaupten, er war auf Kuba-Tournee. Ich kenne nur wenige", meint Abt abschließend.

Als besonderes Highlight konzertieren die Münchener zusammen mit Leo Brouwer und dem kubanischen Symphonie National Orchester. Abts Ensemble wird dabei Brouwers berühmtes Werk (mit englischem Namen: The Sky, the Air and a Smile) aufführen. Zum Höhepunkt der Eröffnungsgala von Cubadisco spielt das kubanische Symphonieorchester "Orquesta Nacional de Cuba" unter der Leitung  von Walter Abt das Gitarrenkonzert "Concerto del Benaco", einer Komposition von Walter Abt für Gitarre und Orchester mit dem frischgebackenen 1. Preisträger von "Jugend musiziert" Jonathan Goldberg als Gitarrensolisten, - ebenfalls einer seiner Schüler (siehe: www.walter-abt.de)

Gefördert wird dieses kulturelle Joint-Venture vom Goethe-Institut sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Forschung, Wissenschaft und Kunst.

Goethe Institut    Auswärtiges Amt  
       

Weitere Recherche-Infos unter "Cuba Disco 2012":
oder: repeatingislands.com/2012/03/31/musicians-from-12-countries-to-participate-in-cubadisco-2012/

Im Gegenzug wird ein kubanisches Ensemble im November 2012 zu Konzerten und Workshops nach Deutschland eingeladen:

UN RECORRIDO POR CUBA Y SUS RITMOS
A TRAVÉS DE LA MÚSICA
DEL GUITARRISTA Y COMPOSITOR CUBANO EDUARDO MARTÍN.
"Eine musikalische Reise durch Kuba und seine Rhythmen"
präsentiert von dem kubanischen Gitarristen Eduardo Martín und seinem Ensemble

Das Programm ist vielversprechend: das 5-köpfige Ensemble mit seinen virtuosen Musikern, die allesamt eine ausgedehnte, umfassende Ausbildung von Klassik bis Jazz genossen haben, ist herausragend für die Interpretation der vielschichtigen Musik Kubas, die geprägt ist von westafrikanischen Einflüssen, die weit in deren Tradition verwurzelt ist. Diese Musik begeistert durch ihre rhythmische Vielfalt und ihre tradierte Eloquenz, vermischt mit den aktuellen Strömungen der kubanischen Musikkultur.


26.07.2012
Bozen, Schloss Runkelstein
GUITAR NIGHT
Walter Abt & Nicola Puglielli, Lancy & Bobby Falta

JAZZ MEETS WORLDMUSIC

Was sich alles an vielsaitigen Klängen abspielen kann, das zeigt das Gitarrenensemble DIF (Deutsch-italienische Freundschaft) des Münchner Gitarristen  und Komponisten Walter Abt.
Die musikalische Vielseitigkeit der Gruppe DIF geht aber weit über die Idee „jazz meets classic“ hinaus. Durch die Verbindung eigener Kompositionen mit zeitgenössischen Musikstilen entsteht eine Fusion, die in dieser Form bislang einzigartig ist. Die äußerst virtuosen Gitarristen bringen in das Ensemble Klänge der sogenannten Weltmusik ein, die sie beeinflusst haben. Sie öffnen sich gen Süden mit südamerikanischer Gitarrenmusik und Flamenco und gen Osten mit Rhythmen des Balkans und Gypsy Swing. Die Künstler verstehen sich deshalb nicht nur als deutsch-italienisches Projekt, sondern auch als Beispiel dafür, dass auch für die Gitarrenmusik ein neues, globales Zeitalter angebrochen ist.  

"Je reproduzierbarer Musik erscheint, umso wertvoller wird handgemachte Musik wie die der 4 Gitarrenvirtuosen." (SZ)

Die Solisten des Ensembles sind der musikalisch äußerst vielseitige Münchener Komponist Walter Abt sowie Nicola Puglielli, einer der bedeutendsten italienischen Akustikgitarristen aus Rom, sowie die beiden Sinti-Zigeuner Bobby und Lancy Falta. Zusammen bieten die vielsaitigen Künstler ein weiträumiges Panorama des "unplugged acoustic sounds" mit Stücken der genialen Filmmusik E. Morricones, sowie des Nuevo Flamenco, des Jazz und der
Klassik. Dabei wird das impulsive Element virtuoser und tiefgängiger Improvisationen der Gitarrenkünstler zu einem erlebnishaften und magischen Moment.

Die Magie natürlicher Schwingungen ist durch nichts zu ersetzen.

Walter Abt

Walter Abt ist Gitarrist, Komponist und Arrangeur. Sein Konzertrepertoire als Solist und seine umfangreiche Discographie, für die er zahlreiche Preise erhalten hat, zeigen sein Gespür für innovative musikalische Wege. Sie umfassen neben klassischen Studien Renaissancemusik, südamerikanische Gitarrenmusik (u.a. mit Leo Brouwer und Giora Feidmann) und Flamenco. Abt ist Gründer und Leiter des „Münchner Gitarrenensembles“ und des Flamenco-Ensembles „Walter Abt & Sol y Sombra“.


Nicola Puglielli

Nicola Puglielli ist Gitarrist, Komponist und Arrangeur. Seine Konzerte und CDs sind ein ungewöhnlicher Mix aus klassischer Technik, Jazzimprovisation und europäischer Tradition, u.a. Django Reinhardt. Sowohl als Solist als auch mit seiner Formation, dem Nicola Puglielli Trio, wertet er die Akustikgitarre als Jazzinstrument auf. In den letzten Jahren ist er mit internationalen Musikern wie Kirk Lightsey und Philip Catherine und dem Orchester der römischen Accademia di Santa Cecilia aufgetreten.
 
Lancy Falta
"Wo Falta draufsteht ist Qualität drin"
 
Wie spricht der Philosoph? "Panta rhei" - alles fließt.  Wo Falta draufsteht ist Qualität drin. In welcher Besetzung auch immer.
Über die Fähigkeiten eines Lancy Falta viele Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Seine Technik ist über jeden Zweifel erhaben und wenn er sich nicht zu sehr an der eigenen Fähigkeit, schnell zu spielen, berauscht, ist er schlichtweg großartig. Anspieltipps aus dem Programm des Gypsy-Brazil-Projekts gäbe es genug. Die wunderbar entspannt groovende Bobby Hebb-Nummer "Sunny", beispielsweise Chick Coreas "Spain", aber auch die Stücke aus der eigenen Produktion: "Du djal mugal man gogares" (Du bist gegangen und hast mich allein gelassen). Tolle Nummern, von einer kompakten Band souverän interpretiert, gespickt mit erstklassigen Soli.

Lancy und Bobby

Frisch bis zum letzten Ton, Bobby und Lancy Falta

Memmingen | mz | Jazzwüste Memmingen? Davon war beim "Allgäu Fresh Jazz" wieder einmal nichts zu spüren im hoffnungsvoll überfüllten "Hoigata". Hautnah, im wahrsten Sinn des Wortes, erlebten die Zuhörer im bis auf den letzten Fleck gefüllten Wirtshaus Bobby und Lancy Falta.
Die Faltas spielten Jazz Standards, aber auch Stücke des großen Gitarristen Django Reinhardt. Und ihre Spielfreude sprang sofort auf das Publikum über. Balladen, aber auch Songs in atemberaubenden Tempi, hochvirtuose Improvisationen, Spaß und Frische hielten die Gäste bis zum letzten Ton im Bann.
 
Der fast 70-jährige Bobby ist einfach ein Meister der Gitarre, aber auch sein Sohn Lancy Falta ist mit allen Wassern gewaschen.


28.10.2012
Gasteig München, Kleiner Konzertsaal 20 Uhr
Walter Abt & Munich Guitars
„The City of 1000 Strings“


Nov. 2012
Joint-Venture Konzerte (Austauschprogramm des Goethe-Institutes und des Bayerischen Staatsministerius

Walter Abt & Ensemble Eduardo Martin (Kuba)

6.11. Gesprächskonzert, Bayerische Musikakademie Marktoberdorf, 19 Uhr
7.11. Workshop / Gesprächskonzert, Instituto Cervantes München, 18 Uhr
8.11. Saitensprünge Bad Aibling





Baroque Suites

Baroque Suites

Die im vorliegenden Buch veröffentlichten Kompositionen sind eine Auswahl der schönsten Werke von vier berühmten Lautenisten des Barock, die alle auf ihre Art einen eigenen Kompositionsstil geschaffen haben. 

Hierfür habe ich eine ganz spezifische Stimmung für die Gitarre entworfen, mit welcher sich die Lautenwerke mit ähnlich einfachen Griffbildern spielen lassen und ein elegantes Spiel begünstigt, das mit leicht auszuführenden Griffwechseln die Resonanz des Instrumentes optimal ausnutzt. Durch das damit gewonnene veränderte Resonanzverhalten des Instrumentes gelingt eine überzeugende Adaption der barocken Lautenmusik auf die Gitarre, die natürlich und authentisch wirkt. Diese Stimmung nähert sich somit an die authentische Griffidiomatik der Lautenkompositionen an und vereinfacht den technischen Schwierigkeitsgrad um mindestens zwei Stufen.


BWV 995 Lautensuite Nr.3 g-moll J.S. Bach  für Gitarre

erstmals in besonders leicht spielbarer Barock-Stimmung -> Abt-Tuning


BWV 995

Warum Gitarre in Barockstimmung?

Wer einmal Werke der Alten Musik auf einer Laute oder Vihuela gespielt oder gehört hat, wird beim Spiel desselben Stückes auf der Gitarre den feinen höheren Klang der chörigen Instrumente vermissen. Im Vergleich dazu klingt die moderne Gitarre wuchtiger, erdiger und grundtöniger als ihre historischen Vorläufer. Dazu kommen beim Spiel einer für Gitarre bearbeiteten Lautensuite meist unvermeidbare extrem sperrige Fingerbrecher-Passagen und Gabelgriffe zustande, die einfach matt klingen.
Überraschenderweise können wir aber aus der vorliegenden Partitur – und übrigens auch jeder anderen Originaltabulatur in französischem Stil – auf den ersten Blick entnehmen, dass durch die Präsenz häufiger Leersaiten sowie der Standardposition in der 1. Lage nicht nur eine technisch wesentlich leichtere Spielbarkeit vorherrscht, sondern der bislang vermisste erhabene silberne Klang entsteht. Diese Stimmung nähert sich somit an die authentische Griffidiomatik der Lautenkompositionen an und vereinfacht den technischen Schwierigkeitsgrad um mindestens zwei Stufen.

Noten- und Tabulaturschrift
Die Tabulatur entspricht nur klingend dem darüber liegenden Notenbild. Die Töne werden in anderen Lagen in veränderten Griffbildern gespielt, da der Noten- und Tabulaturschrift unterschiedliche Saitenstimmungen zugrunde liegen. Ich rate dringend davon ab, in dieser Stimmung nach Noten zu spielen! Zu sehr sind wir im Notenspiel auf die zugrundeliegende Quartstimmung trainiert.
Historisch betrachtet ist die sogenannte „Accords-Nouveaux“-Stimmung die, die sich spätestens seit 1640 bis 1750 gegen die Renaissance- und alle anderen Lautenstimmungen durchgesetzt hatte, und das in allen Ländern bis auf Italien, wo im „vieil ton“ weiter gespielt wurde. Notiert wird sie –auch in Deutschland (!)  - also gültig für alle Lautenwerke von J.S. Bach, S.L. Weiss, A. Reusner, G. Kapsberger und aller anderen-  in der mit Buchstaben versehenen französischen  Alfabeto-Tabulaturschrift.
Der leichteren  Lesbarkeit halber verwende ich die heute gängige Pop-Tabulatur, die der historischen spanischen Tabulatur folgt. Diese Nomenklatur ist der Notenschrift für die Barockstimmung vorzuziehen.

Warum h-moll und nicht d-moll-Stimmung  wie auf der Barocklaute?
Auf jeder modernen Konzertgitarre mit solider Mechanik lässt sich die Quartstimmung von e4-b3-g3-d3-A2-E2 leicht, schnell und bequem auf die barocken Saitenintervalle in das "Abt-tuning“ umstimmen. Würden wir die originale Tonhöhe der Tenorlaute anpeilen, benötigten wir entweder dünnere Saiten oder eine im Grundton höher gestimmte (Terz-)Gitarre. Auf dem eine kleine Terz tiefer liegenden h-moll-Akkord lässt sich die konventionelle Quartstimmung bequem umstimmen: 1.d4 – 2.b2 – 3.f#3 – 4.d3 – 5.B2 – 6.E2
Wenn wir der transponierten Lautenstimmung exakt folgen würden, müsste die 6. Saite eigentlich auf F#2 erhöht werden.  Dadurch fehlte uns aber  ein tiefes Klangbild, das auf der Laute ja durch die vom 7. bis zum 13. Chor erweitere Bordunbässe in unnachahmlicher Art verzaubert.  Im „Abt-Tuning“ entspricht  das Belassen der 6. Saite auf E2 somit dem Herunterstimmen nach einem „dropped“ D2 in herkömmlicher Quartstimmung. Als Richtwerte bleiben die 2., 4. und 6. Saite unverändert. Mit einem Kapotaster im III. Bund erhalten wir einen schwebenden, silbrigen und obertonreichen Klang, der dem der Laute ähnlich ist.

Praktische Tipps zum Umstimmen:
Jeder klassische Gitarrist ist es gewohnt, 1 bis 2 Saiten mitten im Konzert umzustimmen, z. B. 5. A nach G; und 6. E nach D; dazu in modernen Stücken des Öfteren noch mit  einer Modifikation der 1 ; 2.; oder 3. Saite verbunden. Selbst im Flamenco werden bei jeder Rondena 2 bis 3 Saiten verändert und anschließend umgestimmt. Mit einer guten Mechanik und erstklassigen Saiten ist das heute völlig selbstverständlich. Es wird gerade vom französischen Saitenhersteller SAVAREZ eigens ein für das „Abt-Tuning“ verfügbarer Satz erstklassiger Saiten (SAVAREZ CORUM „ABT-TUNING“) entwickelt, - in Kürze erhältlich.
Ein jeder Gitarrist verfügt über ein Stimmgerät, mit dem er schnell und präzise  umstimmen kann. Dennoch möchte ich eine kurze Anleitung zum Umstimmen ins „Abt-Tuning“ mit praktischen Stimmungs-Tipps geben, wie man auch ohne Stimmgerät sicher zu Recht kommt:
Zum Hoch-/Herunter Stimmen um einen Ganzton beachte man die Stellung des Wirbelknopfes, und drehe 1x 180 Grad; nochmals 1x 180 Grad; und 100 Grad in die gewünschte Höhe. Zur Veränderung eines Halbtones (3.Saite g nach f#) genügen 1x 180 Grad plus ca. 60 Grad. Wichtig ist die Orientierung beim Nachstimmen an den unveränderten Saiten 6; 4; und 2. Am besten schlägt man die unveränderte Saite als Erste an, und vergleicht damit die veränderte, und nicht umgekehrt..  Selbstverständlich stimmen wir vor dem Anlegen des Kapotasters. Die Feinstimmung lässt sich dann auch mit angelegtem Capo durchführen.

Warum blieb diese Stimmung für die Gitarre bis jetzt unentdeckt?
Francisco Tárrega war der Pionier gitarristischer Bearbeitungen früherer Werke im späten 19. Jhdt. Andres Segovia beschäftigte sich bereits in den 1920er Jahren als einer der Ersten mit Transkriptionen der Alten Musik. Die Musikverlage dieser Epoche griffen die Bearbeitungen des berühmten Meisters dankbar auf, in der Sicherheit eines weltweiten Marktes im aufkommenden Notenhandel für die immer populärere Gitarre. In der Selbstverständlichkeit Segovias, die Bearbeitungen einzelner Sätze der Lautensuiten Bachs und Weiss´ für die gängige Quartenstimmung einzurichten – gegebenenfalls auch einmal mit einem heruntergestimmten „dropped“ D in der 6. Saite – folgten alle anderen Bearbeiter, und die Verlage zogen mit. In dieser Zeit wäre es einfach noch nicht denkbar gewesen, die Gitarrenstimmung zu flexibilisieren:  Zum einen gab es auf den meisten Gitarren die noch verbreiteten unflexiblen Holzwirbel-Mechaniken, und zum anderen waren die damaligen (Darm-)Saiten für ein schnelles Umstimmen ungeeignet.
Erst seit der Popkultur hat sich die Zahlentabulatur als vereinfachte Alternative zur Notenschrift etabliert. Und kein Gitarrist – auch kein akademischer – wäre bereit, heute nach französischer Alfabeto-Tabulatur zu spielen!



Barocklaute, 9-chörig, Hermann Hauser 1920

von dem Münchner Gitarren-und Lautenbaumeister Gert Esmiol soeben restauriert. Die Lautensuiten von J.S. Bach, Silvius Leopold Weiss, u.a., sind im Originalklang ihrer Epoche auf diesem Instrument authentisch  wiedergegeben. Die Stimmung ist barock - vereinfacht beschrieben als offener d-moll-Akkord mit diatonischen Bässen im 7. bis 9. Chor. Leider ist mit der Notenschrift der transkribierten Gitarrenversionen in dieser Stimmung nichts anzufangen. Die Accordatura erfordert das Lesen der Originaltabulaturen der damaligen Aufzeichnungen:
Bild  Tabulatur


MOZART ON GUITAR?

Bekanntermaßen werden für die Gitarre tollkühne, oft bizarre und disparate Bearbeitungen berühmter Werke verfasst, nur um das schmale Repertoire dieses Instrumentes zu erweitern, oder auch um in selbstgefälliger Profilneurose zu zeigen, was die Gitarre so alles kann.

In der Epoche der Klassik kann die Gitarre nur auf wenige authentische und bedeutende Komponisten zurückgreifen. Fernando Sor schrieb das vielleicht beste Werk seiner Epoche: die Variationen über ein Thema aus Mozarts Zauberflöte.

Als ich Mozarts Klavierkonzert Nr.23 KV 488 in A-Dur hörte, wusste ich sofort, dass der Klavierpart auch auf der Gitarre klingen würde. Zum einen wegen der Tonart A-Dur -das Adagio übrigens in Mozarts einzigem Werk in Fis-Moll- und zum anderen -trotz aller Virtuosität der Klavierstimme- wegen seiner "kammermusikalischen" Besetzung mit Streicher und 5 Holzbläser, darunter 2 Klarinetten anstatt Oboen und den fehlenden Pauken und Trompeten, die die Gitarre dynamisch zerdrücken würden. Es ist wohl Mozarts Lieblingsstück unter den Klavierkonzerten gewesen, denn er hat dieses Spätwerk zu seinen Lebzeiten nie verkauft: er wollte es immer nur selbst spielen!

Das Adagio klingt so authentisch auf der Gitarre, als wäre es vom Meister selbst entworfen! Das größte Problem in der Bearbeitung lag in den Alberti-Bässen der linken Klavierhand und den darüber liegenden schnellen Skalen der rechten Hand. Es gibt jedoch bekanntlich für alles eine Lösung, man muss sie nur finden! Für den Orchesterpart habe noch eine zweite Gitarrenstimme entworfen, sodass Mozarts Meisterwerk auch als Gitarrenduo aufgeführt werden kann. Eine kleine Kostprobe des Arrangements ist auf meiner Website www.walter-abt/news zu sehen. Die gedruckten Noten sollen demnächst bei einem geeigneten Verlag veröffentlicht werden. Momentan überarbeite ich K488 auch in einer Fassung für einen Gitarrensolisten mit Zupfensemble-Begleitung. Auch eine Einspielung mit Gitarre, 5 Bläsern und 10 Streichern ist in Vorbereitung.

Die Weltpremiere, die das berühmte Klavierkonzert Nr.23 KV488 A-Dur erstmalig für Gitarre mit Orchester sowie eine weitere Version für Gitarre und Klavier(Begleitung) vorstellte, fand zu Mozarts Geburtstag beim Festival "toujours Mozart" im Magdeburg 2011 statt.

Ab März zu Sehen und Hören unter www.walter abt/youtube.com, vgl. www.walter-abt.de/news

Konzert in A-Dur KV 488, II. Adagio, Noten: click

 

MUSIK HINTER GITTERN

Von dem Alltag der rund 70.000 Strafgefangenen in Deutschland – das entspricht immerhin einer Stadt von der Größe Bayreuths – nimmt Otto Normalverbraucher allenfalls Kenntnis, wenn es ihm in Film & Fernsehen präsentiert wird. Die von Erich Fischer in München gegründete „Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation“ hingegen engagiert sich seit  Jahren mit dem Projekt „Amnesty National“ im Bereich Strafvollzug. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Initiative „Musik hinter Gittern“: In derzeit 13 Haftanstalten - vorwiegend im Frauen- und Jugendvollzug - werden Konzerte und Instrumentalunterricht als Beitrag zur Resozialisierung der Inhaftierten angeboten.

Das von dem Gitarristen und Komponisten Walter Abt geleitete Ensemble MUNICH GUITARS wurde eingeladen an diesem Projekt  teilzunehmen und konzertierte in insgesamt fünf JVA: in den bayrischen Städten Aichach, Bayreuth, Ebrach und Laufen sowie in Frankfurt a.M. Die Schleusen und Gittertüren am Eingang machten uns deutlich, dass wir in eine abgeschottete Parallelwelt eindrangen, die ihre eigenen Regeln hat. Andererseits liefen unsere Vorbereitungen genauso ab, wie „draussen“, sogar spannungsvolle Erwartung stellt sich ein angesichts der ungewohnten Erfahrung mit einem im wahrsten Sinn des Wortes „exklusiven“ Publikum. Aichach bildet den Auftakt, ein Frauengefängnis, wo noch bis vor kurzem eine prominente RAF-Terroristin einsaß. Einige zerklüftete, wohl von früheren Drogenerfahrungen gezeichnete Gesichter blicken uns neugierig an, aber es herrscht hier auch eine friedliche, fast gelöste Atmosphäre. Ein eigenes Gitarrenensemble fiebert seinem Auftritt entgegen, die Kraft der Musik entfaltet für ein, zwei Stunden ihre wohltuende Wirkung. In Ebrach wird die Szenerie von Jungmänner beherrschen, die nicht wissen, wohin mit ihrer Lebensenergie. Sie gehen voll mit der Musik mit und steigen zuletzt auf die Tische. Die JVA Bayreuth ist wieder eine ganz eigene Welt, mit einem fantastischen holzgetäfelten Veranstaltungssaal, wie er auch in der Welt „da draußen“ Furore machen würde. Hier sitzen auch „schwere Jungs“ ein, die jedoch auch für einen anrührenden Gegenakzent sorgen: Als Vorgruppe
tritt ein „hauseigenes“ Gitarrenquartett auf, die stämmigen Häftlinge mit tätowiertem Bizeps entlocken ihren Gitarren mit Hingabe und Einfühlungsvermögen erstaunlich zarte Töne, angeleitet von einem – externen – Gitarrenlehrer, selbst ein Zweimetermann mit – wie man bei der Begrüßung „eindrücklich“ feststellen kann  - Schraubstockgriff in den Händen. Schließlich Laufen mit seinem Jugendgefängnis, das aber fast die Atmosphäre eines Schullandheims ausstrahlt, mit freundlichen hellen Farben, eine sogenannte halb-offene Anstalt ohne Außenumwehrung. Die sehr jungen Insassen im Alter von 14 bis 21 Jahren wirken oft noch jünger als sie sind, zappelig, ja kindlich. Viele von ihnen kommen aus verwahrlosten Elternhäusern und lernen erst hier einen geregelten Tagesablauf kennen und bekommen die Chance, ihre Schulausbildung abzuschließen. Auch was ein Konzert ist erfahren sie hier zum ersten Mal, und so sitzen sich während des Konzertes Musiker und Publikum wie zwei fremde Stämme gegen, die sich an die „Sitten und Gebräuche“ des jeweils anderen erst langsam herantasten müssen. Musik als Medium für Stimmungen, Gefühle, Lebenskraft, auch und gerade hinter Gittern und Mauern ist sie ein „Grundnahrungsmittel“ für die Seele. Das Verdienst, dies nicht nur erkannt sondern in die Realität umgesetzt zu haben, gebührt Erich Fischer und allen an dem Projekt „Amnesty National“ beteiligten MitarbeiterInnen, Musikpädagogen und Musikern.
(Manuel Negwer)
 



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GITARREN, TANZ UND SONNE
Hier gibts die aktuelle Rezension zur Portugal Tournee aus der Concertino: click

  

Dakar Konzert und Workshop
Einladung des Goethe Instituts für seine Konzertreise 2010 auf den Kapverden und dem Senegal: click

 

Walter Abt & Sol y Sombra bei den Saitensprüngen 2009
Hier ein Online-Artikel im Tegernsee Magazin: click

 

Ein Spiegel für Weltoffenheit und Interkulturalität der Zeitgenössischen Musik
Rezension zur Uraufführung von "Between Strings & Matches" im Münchner Gasteig: click